Organspende in Deutschland und im Saarland         Daten , Zahlen, Fakten

Zur Beurteilung der Entwicklung der Organspende werden umfangreiche Statistiken von der DSO (Deutschen Stiftung für Organtransplantation) http://www.dso.de/presse/pressebilder-und-grafiken.html und Eurotransplant http://statistics.eurotransplant.org/  zur Verfügung gestellt.

Die Auswertungen orientieren sich an den Organisationsstrukturen der beiden Organisationen, so dass für das Saarland keine spezifischen aktuellen Statistiken zur Verfügung gestellt werden.

Neben den Veränderungen der absoluten Spenderzahlen, ist   die Entwicklung der Anzahl der Spender pro Million Einwohner des Bezugsbereiches eine der wichtigen Kennzahlen.   

Die Tabelle macht deutlich, dass wir in Deutschland im Jahr 2019 mit 10,8 Spendern pro Million Einwohner auf dem lvoretzten Platz im Eurotransplant Verbund liegen.

Die Entwicklung aus 2018 hat sich leider nicht fortgesetzt. 

Vergleicht man die Spenderzahlen normiert auf eine Million Einwohner, so liegen fast alle europäischen Länder erheblich, 

bis zu Faktor 3, über den Spenderzahlen in Deutschland. Trotz einer breiten öffentlichen Diskussion sind die Ursachen

dieser Entwicklung nicht eindeutig geklärt.  Häufig wird der Vertrauensverlust der Bevölkerung durch 

den 2012 bekannt gewordenen „Transplantationsskandal“  allein für den Rückgang verantwortlich gemacht. Die in den 

Folgejahren durchgeführten Befragungen konnten den Akzeptanzverlust in der Allgemeinbevölkerung nicht belegen, 

schon gar nicht können damit die rückläufigen Zahlen vor 2012 erklärt werden.

In den durch den Gesundheitsminister Spahn angeschobenen Diskussionen und Gesetzesvorlagen werden 

nun zusätzliche Aspekte diskutiert, so z.B. 

     - Mängel bei der Erkennung von Hirntoten, 

     - organisatorische Verbesserungsbereiche in den 

       Krankenhäusern,  

     - eine Änderung der rechtlichen Regelungen zur 

       Einverständniserklärung jedes Einzelnen zur Spende:

          Entscheidungspflicht, Widerspruchslösung ...

Der Bundestag hat das von Herrn Spahn eingebrachte Gesetz nicht angenommen, sondern hat  für eine erweiterte Entscheidungslösung votiert.

In der Diskussion wurde immer wieder die Widerspruchslösung als der "Heilsbringer" bei den Spendenzahlen dargestellt. In  Facebook schrieb Herrn Lauterbach bzw. einer seiner Facebookredakteure, durch die Widerspruchslösung erwarte man eine  Verdopplung der Spenderzahlen.
Diese Zahlen sind durch nichts zu belegen. Analysiert man die Zahlen der DSO und Eurotransplant genau, so erkennt man, dass beide Lösungen im Prozess zu spät eingreifen, da das Problem klar bei der Erkennung der Hirntoten liegt.

Im TPG ist zudem geregelt, dass die Frage der Organspende erst nach erfolgter Hirntodfeststellung relevant ist. Dies hat zur Folge, dass in allen Hirntodverdachstfällen eine Hirntodfeststellung nach TPG durchgeführt werden müsste, unabhängig davon, wie der Patient sich zur Frage der  Organspende geäußert hat. 

Wichtigste Grundlage für ein funktionierendes Organspendesystem ist, neben funktionierenden Prozessen, die  breite gesellschaftliche Akzeptanz der Organspende und eine mehrheitlich positive Einstellung der Gesellschaft  dazu.


Seit 2010 sind die Spenderzahlen rückläufig!

Aus der Tabelle "potentielle Spender prozentual" wird deutlich, dass der Transplantationsskandal im Jahr 2013 seine größte Auswirkung hatte. In 2013 stieg die Ablehnungsrate auf 29,34%. Mittlerweile sind die Ablehnungsraten bei den Angehörigengesprächen besser, als vor dem Skandal und bewegen sich bei knapp 24%. Das Absinken der Spenderzahlen schreitet aber weiter voran, so dass man den Schluss ziehen muss, dass nicht das verlorene Vertrauen der Bevölkerung das Absinken der Spenderzahlen treibt.

Analysiert man die Jahresberichte der DSO etwas tiefer, so wird deutlich, dass der Rückgang der Spenderzahlen seit 2010 zu über 85% auf den Umstand zurück zuführen ist, dass immer weniger Patienten, mit einem vermuteten unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen, von den Entnahmekliniken zur DSO gemeldet werden.

Diese Fakten werden durch die folgenden beiden Tabellen untermauert.

Um die Spenderzahlen in Deutschland nach oben zu bewegen, gibt es nur einen Weg:

Die Entnahmekrankenhäuser müssen Ihr "Verhalten" bei Identifikation von potentiellen Spendern und deren Meldung zur DSO ändern.

Es müssen in Deutschland klare rechtliche Regelungen geschaffen werden, die zu einer Meldung verpflichten und auch ein Controllingsystem aufgesetzt werden, das es ermöglicht Abweichungen zu identifizieren und zu sanktionieren. 

Hier können wir uns durchaus ein Beispiel an unserem Nachbarn Österreich nehmen, die ein solches System schon über 3 Jahre installiert haben. 

Solange in Deutschland keine transparente und nachvollziehbare Zahlen aus den Entnahmekliniken vorliegen, auf Basis derer man analysieren und agieren kann, wird sich wenig bewegen.  

In Österreich werden aus den Kliniken über 40 potentielle Spender pro Million Einwohner gemeldet, in Deutschland sind es gerade mal 16 potentielle Spender pro Million Einwohner.

 


Organspende im Saarland

Im Saarland haben sich die Zahlen der Organspender von 2010 nach 2013 mehr als halbiert.

Seit 2014 hat sich der Trend umgekehrt und es ist, im Gegensatz zu den bundesweiten Zahlen, ein Ansteigen der Spenderzahlen zu verzeichnen.

Im Jahr 2019 lag die Zahl der Spender aus saarländischen Krankenhäusern bei 18.

Zurückzuführen ist diese erfreuliche Entwicklung auf die Einbindung aller Stakeholder bei der Diskussion um das Ausführungsgesetz zum TPG, der schnellen Verabschiedung des Ausführungsgesetztes in 2014, die flächendeckend Schulung der Transplantationsbeauftragten und die Unterstützung und Beratung der Entnahmekrankenhäuser bei der Umsetzung des Gesetzes durch erfahrene Ärzte der Uniklinik Homburg.
Die Spenderzahlen im Saarland scheinen sich auf das vorhandene Niveau einzupendeln.  
Verglichen mit  Spanien liegt aber noch ein weiter Weg vor uns. 
Auffallend ist, das die Spender aus den 2 großen Kliniken stammen. 

Entscheidend zur weiteren Steigerung der Spenderanzahl  im Saarland wird sein, welche Maßnahmen in kleinen Klinken aufgesetzt werden und greifen, um dort alle Hirntodverdachstfälle zu erkennen und in diesen Fällen die als Voraussetzung für eine Organspende vorgeschriebenen Hirntoddiagnostik durchzuführen. 

Transplantation im Saarland

 

Im Saarland ist das Transplantationszentrum Homburg angesiedelt. Im Zentrum dürfen Lungen, Lebern und Nieren transplantiert werden. Freundlicherweise stellt uns das Zentrum seine Zahlen zur Veröffentlichung zur Verfügung.