Aktuelle Informationen der Deutshen Transplantations Gesellschaft zu COVID-19 vom 01.12.2020

Der Vorstand der DTG erarbeitet regelmäßig Informationen zur aktuellen Situation. Sie finden diese nachfolgend:

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 01.12.2020

Anlässlich der laufenden zweiten COVID-19-Pandemiewelle sind die Gespräche zwischen der DTG, der DSO, den Richtlinien-Federführenden, der BÄK, dem BMG und jetzt auch der DIVI (Prof. Janssens) wiederaufgenommen worden. Mit dem heutigen Newsletter wollen wir Ihnen ein kurzes Update zu transplantationsspezifischen Aspekten der COVID-19-Pandemie geben.

1. Inzwischen hat sich der Anstieg der Zahl an Neuinfektionen abgeflacht, ein klarer Rückgang der Neuinfektionen hat sich bisher noch nicht eingestellt. Bis auf wenige Regionen hat sich das Virus wie vorausgesagt Deutschlandweit verbreitet und die Neuinfektionen sind derzeit nicht mehr vollständig nachverfolgbar. Die stationären Patientenzahlen mit COVID-19 steigen weiter und die Krankenhäuser leiden unter zunehmender Personalverknappung unter den Pandemiebedingungen. Aktuell befinden sich 3.854 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, 60% davon invasiv beatmet, 492 wurden seit dem Vortag neu auf Intensivstationen aufgenommen (Stand 27.11.2020).

2. Nach Auskunft des medizinischen Vorstands der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) war die Situation der Organspende in Deutschland von Januar bis Oktober 2020 durchgehend stabil mit Spenderzahlen die exakt auf dem Niveau von 2018 und um 2,3% höher als in 2019 lagen. Mit dem Beginn des Novembers 2020 gingen die Spenderzahlen von durchschnittlich 2,6/Tag in den ersten zwei Wochen auf 1,7/Tag zurück, sind mittlerweile aber wieder bei einem Monatsschnitt von 2,2/Tag, so dieser etwas ungewöhnliche Verlauf im November auch natürlichen Schwankungen entsprechen kann und nicht der sich verschärfenden COVID-19-Situation geschuldet sein muss. Alle Organspender werden unverändert vor der Spende erneut auf eine COVID-19-Infektion hin mittels PCR getestet, wobei dabei praktisch keine positiven Fälle auftreten. Nur COVID-19-negative Patienten kommen für eine Organspende in Frage.

3. In den allermeisten Kliniken werden die stationären Patienten vor oder bei Aufnahme auf COVID-19 gescreent. Dies sollte analog bei Aufnahme zu einer Transplantation erfolgen, um möglichst nicht in eine frische COVID-19-Infektion hinein zu transplantieren. Die Frage der Aufrechterhaltung der Transplantationsprogramme und insbesondere der Lebendspende muss regional und individuell entschieden werden. Die Auswertung der DTG-Umfrage innerhalb der Transplantationszentren hinsichtlich der Programmweiterführung hat ja gezeigt, dass es im Rahmen der ersten Welle praktisch für alle Zentren möglich war, stationäre Transplantationen unter COVID-19- Pandemiebedingungen fast ohne jegliche COVID-19-Infektionsprobleme durchzuführen. Die Frage der Transplantierbarkeit eines Wartelistenpatienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion soll sich an der Schwere des Infektionsverlaufs mit den erlittenen Organkomplikationen und –schädigungen ausrichten und kann nicht pauschal bewertet werden.

4. Mit zunehmend gleichmäßiger Ausbreitung des Virus innerhalb ganz Deutschlands werden nun offensichtlich auch mehr transplantierte Patienten von COVID-19-Infektionen erfasst. Wir möchten hiermit erneut um Eintrag aller transplantierten Patienten mit COVID-19-Infektion in das LEOSS-Register (https://leoss.net) bitten, um wichtige Hinweise für die weitere Steuerung dieser Patienten bekommen zu können. Die Datenlage zur Letalität von COVID-19 nach Organtransplantation ist zwar weiterhin heterogen, eine Reihe von Studien lässt allerdings vermuten, dass nicht die Transplantation und Immunsuppression eine unabhängige Gefährdung der Patienten darstellen, sondern die bei Transplantierten häufig vorliegenden Komorbiditäten/Risikofaktoren. Man kann davon ausgehen, dass es keinen Vorteil darstellt, wenn ein Nierenkranker stattdessen eine COVID-19-Infektion als Dialysepatient durchläuft. Im ambulanten Sektor muss unverändert die Notwendigkeit von Patientenbesuchen vor Ort mit dem Infektionsrisiko und den Möglichkeiten entsprechender organisatorischer Alternativen (Videosprechstunde, organisatorischer Optimierung der Kontaktminimierung) zur Vermeidung einer Infektion aber auch von „Kollateralschäden“ abgewogen werden. Hierbei ist wie auch bereits früher berichtet die Hypoxieempfindung der Patienten häufig beeinträchtigt und sollte bei ambulanter Betreuung eines COVID-19-erkrankten Transplantierten in der kritischen Phase zu täglichen Kontakten führen, die idealerweise auch regelmäßige pulsoxymetrische Kontrollen beinhalten sollten. Zu diesem Themenkomplex ist eine entsprechende Publikation aus der Pneumologie der MHH erschienen (10.1089/tmj.2020.0170).

5. Die DTG erreichten zahlreiche Anfragen zur Einschätzung/Einordnung der bevorstehenden Impfmöglichkeiten gegen SARS-CoV-2 bei organtransplantierten Patienten. Das BMG erarbeitet aktuell eine Rechtsverordnung zur Impfung, in der unter anderem der Personenkreis konkretisiert wird, der impfberechtigt sein wird. Der DTG wird hierzu kurzfristig Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden. Daneben entwickelt die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) Empfehlungen für die Impfung gegen die COVID-19-Erkrankung (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/stiko_node.html). Die Empfehlung wird auch Aussagen zur Impfung immunsupprimierter Patienten enthalten. STIKO-Empfehl­ungen gelten als medizinischer Stan­dard. Diese Empfehlungen sollten zunächst abgewartet werden.

Zusammen mit dem RKI und dem PEI hat das BMG FAQs zur COVID 19 Impfung online gestellt:

https://www.zusammengegencorona.de/informieren/informationen-zum-impfen/.

Nachdem die offiziellen Ergebnisse der SARS-CoV-2 Impfstudien noch nicht publiziert sind, aber auch organtransplantierte Probanden explizit von diesen Studien ausgeschlossen waren, kann in Ermangelung von Erfahrungen eine bisherige Einschätzung ausschließlich auf theoretischen Überlegungen beruhen (Prof. Schulz, Virologie MHH):

Immunsupprimierte Patienten sollen aus Sicherheitsgründen voraussichtlich mit einem Impfstoff, der kein replikationsfähiges Virus enthält, geimpft werden. Die auf viraler mRNA basierenden Impfstoffe (BioNTech/Pfizer, Moderna, Curevac) sollten deshalb für einen Immunsupprimierten kein Problem darstellen, sie enthalten oder produzieren kein replikationsfähiges Virus. Ob das Spektrum an Nebenwirkungen bei immunsupprimierten Patienten anders sein wird als bei Immungesunden, ist für die RNA-basierten Impfstoffe nicht zu erwarten, aber derzeit unklar. Anders sieht dies bei Impfstoffen aus, die einen viralen Vektor benutzen, wie z.B. der in Oxford entwickelte, von AstraZeneca vertriebene Impfstoff, der auf einem Schimpansen Adenovirus (ChADV) beruht, der von Johnson & Johnson entwickelte auf dem ADV26 basierende Impfstoff oder der durch die Presse gegangene in Russland entwickelte Impfstoff, welcher ebenfalls auf einem rekombinanten Adenovirus beruht und damit für transplantierte Patienten eher nicht geeignet erscheint.

Unklar ist weiterhin, wie gut die Wirksamkeit der Impfstoffe bei immunsupprimierten Patienten sein wird. Aufgrund der starken Immunschwächung in der frühen Phase nach Transplantation empfehlen die meisten Transplantationszentren ihren Patienten eine erste Influenzaimpfung frühestens 6 Monate nach Transplantationsbeginn. Ob man dieses Zeitfenster jetzt aufgrund der Pandemie für eine SARS-CoV-2 Impfung verkürzen soll, ist unklar. Hierbei ist wie unter 4 ausgeführt zu berücksichtigen, dass offensichtlich nicht die Transplantation und Immunsuppression selbst einen unabhängigen Risikofaktor für einen ungünstigen Krankheitsverlauf einer COVID-19-Infektion darstellt, sondern die gleichen Risikofaktoren wie in der Normalbevölkerung (Alter, Komorbiditäten etc.). Diese charakterisieren aber aufgrund ihrer Häufigkeit unter Organtransplantierten diese als Risikogruppe für einen ungünstigen Verlauf einer COVID-19-Erkrankung.

 

Hier finden Sie die aktuelle Information als pdf.-Datei:

Aktuelle Informationen zu COVID-19 vom 01.12.2020


IOS-Schirmherr 2020/2021

Herr Sanitätsrat Dr. Josef Mischo Präsident der Ärztekammer des Saarlandes

Aufruf zur Entscheidung über Organspende

 

Mehr als 10.000 Menschen mit lebensbedrohenden Erkrankungen warten auf eine Organspende, die meisten vergebens. Wir Gesunde scheuen die Verantwortung einer Entscheidung. Ängste und Sorgen vor Fehlentscheidungen lassen uns zögern, ein klares Ja oder Nein auf dem Organspendeausweis anzukreuzen.

Für mich selbst steht fest: Ich möchte die Last dieser Entscheidung nicht meiner Familie aufbürden, - ich entscheide selbst. Da ich als Arzt weiß, dass die Kriterien des Hirntodes sicher sind und eine strenge Überwachung durch unabhängige Gremien einen Missbrauch verhindert, habe ich festgelegt, dass ich im Falle des endgültigen (irreversiblen) Hirntodes bereit bin, meine Organe zu spenden. Da ich in dieser Situation nie mehr in mein altes Leben zurückkehren kann, möchte ich in meinem Sterben noch Sinn und neues Leben schenken.

 

Beschäftigen Sie sich mit diesem Thema und haben Sie Mut zur Entscheidung !

 

Präsident der Ärztekammer des Saarlandes
Herr Sanitätsrat Dr. Josef  Mischo
IOS-Schirmherr 2020/2021

Termine 2020

19.09.2020

 

Oase geschenkten Lebens

Einweihung der 6 "Oase geschenkten Lebens" an neuen Hörsaalgebäude am UKS Homburg 

 


Prominente für Organspende

Dr. Stephan Ackermann; Bischof von Trier

 

Durch die Diskussion über den Gesetzentwurf zur Organspende vor einiger Zeit habe ich mich erneut eingehend mit dem Thema befasst. Unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es umfassende Infos dazu. Wir wissen um die schwierige Situation, dass es zu wenig Spenderorgane gibt und Menschen verzweifelt darauf warten. Ich habe mich entschlossen, Organspender zu sein und den Ausweis ausgefüllt. Für mich ist das auch ein Ausdruck der Nächstenliebe.“

Sechste "Oase geschenkten Lebens"

Organspende, Dank, Gedenkstätte
Spruchtafel Foto privat

Am Samstag, 19. September 2020, wurde auf dem Campus des Uniklinikums Homburg die sechste „Oase geschenkten Lebens“ eingeweiht.
Nach vier Gedenkstätten für Organspenderinnen und Organspender  im  Stadtgebiet von Saarbrücken und einer Gedenkstätte in St. Wendel  gibt  es  mit dieser ersten Oase im Saar-Pfalz-Kreis  einen  weiteren Ort, um Organspenderinnen, Organspender und deren Angehörige dankend zu ehren.

Die aus den beiden Elementen Stele und Ginkgobaum bestehende Oase  findet man vor dem neuen Hörsaal – und Bibliotheksgebäude, wo sie gut sichtbar ins Grün gebettet zudem alle Besucherinnen und Besucher zum Innehalten einlädt.
Die Initiative dazu stammt von der Arbeitsgemeinschaft „Infoteam Organspende Saar“ (IOS) der beiden Selbsthilfen „Junge Nierenkranke Deutschland e.V. und „Niere Saar e.V.“, die die Interessen der Dialysepatienten und Nierentransplantierten im Saarland vertritt. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie wurde das Konzept erarbeitet.

lesen Sie hier weiter 

Buchemfehlung

Die meisten Menschen sind viel zu beschäftigt, um sich mit dem Thema "Organspende" auseinander-zusetzen.

 Jeder denkt, dass nur andere von der Diagnose "Organinsuffizienz" betroffen werden können und man selbst verschont bleibt. 

Mit diesem Buch möchte ich Menschen zum Nachdenken anregen, mit einem Organspendeausweis zu helfen. 

Ein plötzlicher Organausfall kann jeden treffen, evtl. durch eine Infektion, zu hohen Blutdruck oder Flüssigkeitsmangel.

Zu viele Menschen warten auf ein Organ. 

                                         Doris Buhlinger  
zu beziehen über
"Wortwerke  Buchhandlung" Rastatt

Organspenderzahlen 2019 wieder rückläufig

Mit 10,8 Spendern pro Million Einwohner liegen wir als Deutschland im Jahr 2019 auf dem vorletzten Platz im Eurotransplant Verbund.

Die Entwicklung aus 2018 hat sich leider nicht fortgesetzt. 

Vergleicht man die Spenderzahlen normiert auf eine Million Einwohner, so liegen fast alle europäischen Länder erheblich, bis zu Faktor 3, über den Spenderzahlen in Deutschland. Trotz einer breiten öffentlichen Diskussion sind die Ursachen

dieser Entwicklung nicht eindeutig geklärt. Häufig wird der Vertrauensverlust der Bevölkerung durch 

den 2012 bekannt gewordenen "Transplantations-skandal“  allein für den Rückgang verantwortlich gemacht. Die in den Folgejahren durchgeführten Befragungen konnten den Akzeptanzverlust in der Allgemeinbevölkerung nicht belegen, schon gar nicht können damit die rückläufigen Zahlen vor 2012 erklärt werden.

In den durch den Gesundheitsminister Spahn angeschobenen Diskussionen und Gesetzesvorlagen werden nun zusätzliche Aspekte diskutiert, so z.B. 

     - Mängel bei der Erkennung von Hirntoten, 

     - organisatorische Verbesserungsbereiche in
      den 
Krankenhäusern,  

     - eine Änderung der rechtlichen Regelungen zur 

       Einverständniserklärung jedes Einzelnen zur
      Spende:

          Entscheidungspflicht, Widerspruchslösung ...

Der Bundestag hat das von Herrn Spahn eingebrachte Gesetz nicht angenommen, sondern hat  für eine erweiterte Entscheidungslösung votiert.

In der Diskussion wurde immer wieder die Widerspruchslösung als der "Heilsbringer" bei den Spendenzahlen dargestellt. In Facebook schrieb Herrn Lauterbach bzw. einer seiner Facebookredakteure, durch die Wider-spruchslösung erwarte man eine  Verdopplung der Spenderzahlen.
Diese Zahlen sind durch nichts zu Belegen. Analysiert man die Zahlen der DSO und Eurotransplant genau, so erkennt man, dass beide Lösungen im Prozess zu spät eingreifen, da das Problem klar bei der Erkennung der Hirntoten liegt.

Im TPG ist zudem geregelt, dass die Frage der Organspende erst nach erfolgter Hirntodfeststellung relevant ist. Dies hat zur Folge, dass in allen Hirntodverdachstfällen eine Hirntodfest-stellung nach TPG durchgeführt werden müsste, unabhängig davon, wie der Patient sich zur Frage der Organspende geäußert hat. 

Wichtigste Grundlage für ein funktionierendes Organspendesystem ist, neben funktionierenden Prozessen, die  breite gesellschaftliche Akzeptanz der Organspende und eine mehrheitlich positive Einstellung der Gesellschaft  dazu.

                                                                  Klaus Schmitt

Hier geht zu den konkreten Zahlen 


Wir stehen  hinter dem Infoteam Organspende Saar

Das Infoteam Organspende Saar (IOS) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Vereine "Niere Saar e.V." und "Junge Nierenkranke Deutschland e.V. ". Das IOS hat sich zur Aufgabe gemacht, die saarländische Bevölkerung, im direkten Kontakt ("Von Mensch zu Mensch"), zum Thema Organspende zu sensibilisieren und umfassend ergebnisoffen darüber aufzuklären.

 

Zum persönlichen Organspende-ausweis 

Hier in  anderen Sprachen erhältlich 


Für junge Transplantierte & für alle Fragen


Das Infoteam Organspende Saar unterstützt die Aktion Organpaten des Bundesgesundheits-ministeriums.